Untere Reklamationsbehörde

Untere Reklamationsbehörde

Untere Reklamationsbehörde (Frankfurt a.M. / Berlin)

Seit Anfang 2019 forschen Maria Huber und Julia Mihály zusammen mit Tobias Hagedorn kollektiv, in unterschiedlichen Konstellationen an der Idee eines „Empirischen Musiktheaters“, ein Begriff, der durch ihre vorangegangenen und aktuellen Zusammenarbeiten konstant weiterentwickelt wird.Im Fokus des „Empirischen Musiktheaters“ steht die tatsächliche Feldforschung: Räumliche Strukturen und soziale Architekturen bestimmter Orte werden durch eine klangliche Lupe untersucht – Atmosphären, Beziehungen zwischen Menschen untereinander und zum Ort selbst, Bewegungsrichtungen, Materialitäten uvm. werden direkt vor Ort erforscht und künstlerisch eingebunden. In den Ort eingeschriebene Narrative werden akustisch-empirisch freigelegt, um sie anschließend in performativ-musikalischen Aktionen zu verstärken, aber auch zu verfremden, zu unterbrechen oder zu stören. Die alltägliche Wahrnehmung des Ortes soll letztlich mit einer alternativen akustischen Perspektive unterlaufen werden, während performative Handlungen das Alltägliche zum Theatralen werden lassen. Seit Herbst 2020 veröffentlichen Huber, Mihály und Hagedorn ihre gemeinsamen Arbeiten unter dem Kollektivnamen “Untere Reklamationsbehörde”.

(Foto: Peter Juelich)

Mitglieder

(Foto: M.Huber)

Maria Huber ist als freischaffende Dramaturgin für Performances und Neue Musiktheater Produktionen, als Theatermacherin in diversen internationalen Performance Kollektiven, sowie in künstlerisch- technischen Leitungspositionen, als Audio- und Lichtdesignerin tätig. Nebenbei studiert und produziert sie seit 2015 am Institut für Angewandte Theaterwissenschaften in Gießen, sowie im Master für Spiel und Objekt an der HfS Ernst Busch. Von Oktober 2017 bis Oktober 2018 studierte sie an der Divadelní fakulta Akademie múzických ume ň í v Praze (DAMU) im Master für ‚Devised‘ und Objekttheater in Prag. Im Zentrum ihrer Arbeiten steht meist das Um- und immer wieder Neu-Denken kollektiver Strukturen, ihre theoretische Forschung zu ‘Dramaturgie’ als theaterwissenschaftliche Kategorie, sowie philosophische und gesellschaftswissenschaftliche Fragestellungen, die sie versucht in und mit diesen Kollektiven praktisch weiterzudenken. Ihre Arbeiten wurden schon durch zahlreiche internationale Institutionen und Festivals gezeigt und gefördert, wie etwa: Open Air Festival Hradec Kralové, Divadlo DISK, Mousonturm, Performing Arts Festival, Studio Naxos, Festival für Immaterielle Kunst in der Elbphilharmonie Hamburg, Divadlo Alfred ve Dvore, Westflügel Leipzig, Fritz-Wortelmann Preis bei FIDENA, Biennale München für Neue Musik, Deutsch Tschechischer Zukunftsfond, Festival für Neue Musik Jacques OF 200 u.a..

(Foto: GEMA / S. Linde)

Julia Mihály bewegt sich als Komponistin an den Schnittstellen von Neuer Musik, Performance Kunst und elektroakustischer Musik. In der Tradition Technologie-basierter Performance stehend, verwendet sie live-elektronische Klangsynthese-Prozesse als Inszenierungsmittel. Von den KunstFestSpielen Herrenhausen, dem Deutschlandfunk und dem Europäischen Zentrum der Künste Hellerau erhielt sie 2018 und 2019 Kompositionsaufträge für musiktheatrale Performances. Im Auftrag des Kulturfonds Frankfurt RheinMain entstand 2018 zusammen mit Marc Behrens und Annesley Black die audiovisuelle Installation „hyperMOODbox“. Im Auftrag der Stadt Offenbach entstand 2019 in Kooperation mit Tobias Hagedorn und Maria Huber das Musiktheater „OLIMPIA CODE(S)“ beim Festival Jaques OF 200. 2019 erhielt sie das Progetto Positano Stipendium der Ernst von Siemens Musikstiftung und Ensemble Mosaik. Im gleichen Jahr brachte das Hamburger Ensemble Resonanz ihr Streichquartett „LAN-Party“ zur Uraufführung. Mit Maria Huber entwickelte sie 2020 die musiktheatrale Performance „Terminal X – Building Our Future“, in Kooperation mit dem Künstlerhaus Mousonturm. 2021 arbeitet sie mit dem Meitar Ensemble Tel Aviv, Ensemble hand werk und dem Isenburg Quartett zusammen. Außerdem ist sie als Künstlerin Teil des Projektes “home.frankfurt.telaviv”, initiiert vom Frauenreferat der Stadt Frankfurt und der Stadt Tel Aviv. Ihre Kompositionen wurden auf SWR2, BR Klassik, hr2 Kultur, WDR3 und im Deutschlandfunk gesendet. Julia Mihály unterrichtet das Fach „Komposition und Technologie“ an der HfMDK Frankfurt.

Foto: T. Hagedorn

Tobias Hagedorn studierte von 2006 bis 2014 Kirchenmusik und Elektronische Komposition an der HfMT Köln. Anschließend studierte er an der HfMDK Frankfurt am Main Komposition. Seit 2017 arbeitet er als Ensembleleiter an der KunstKulturKirche Allerheiligen in Frankfurt am Main. 2018 bis 2020 war er Stipendiat der Mozartstiftung und war Preisträger des ad libitum Kompositionswettbewerbs vom Netzwerk Neue Musik Baden-Württemberg. Darüber hinaus war er von 2016-2019 Vorstandsmitglied der Frankfurter Gesellschaft für Neue Musik und 2018-2020 Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Elektroakustische Musik. 2019 war er Mitarbeiter im Studio für elektronische Musik und Akustik der HfMDK Frankfurt. Seit 2020 arbeitet er als Dozent für elektronisch/algorithmische Musiklehre an der Hochschule für Musik in Trossingen. Er veranstaltet seit zwei Jahren Konzerte mit zeitgenössischer Musik in der Kirche Herz Jesu in Frankfurt Oberrad, welche sich nun in der Konzertreihe „HörBar“ dort fortsetzen. Seine Kompositionen wurden unter anderem beim Festival orgel-mixturen und Ultraschall Berlin aufgeführt und im WDR3 und im Deutschlandfunk ausgestrahlt.